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Ein paar Kleinigkeiten

Italienischer Brandalarm

Wer hat schon mal einen richtigen Feueralarm erlebt? Wir gehören seit dieser Woche dazu. 4:23 Uhr wurden wir durch einen sehr durchdringenden Ton unsanft aus dem Schlaf gerissen. Betrachtet man die davorliegenden anstrengenden langen Partiezeiten, das schwere Abendessen, die Analyse in der Bar unseres Vertrauen, die Partieeingabe und die Gegnervorbereitung, so kann man erahnen, daß die Bettgehzeit deutlich nach 0:00 Uhr lag. Umso fitter fühlt man sich nach dem unsanften Wecken. Verschlafen und verstört im dunklen Zimmer stehend gilt es, sich erstmal zu sortieren. Dies gelang Basti deutlich besser als mir und so hat er sich zunächst mit den anderen verschreckten auf den Hotelfluren irrenden Gästen kurz unterhalten, was denn los sei. Zu riechen war nichts, also gibt es 3 Möglichkeiten:

1. Es brennt, aber noch nicht in unserer Nähe.
2. Es ist ein Fehlalarm.
3. Die ortsansässige Zelle der in Italien so berühmten Organisation hat bewußt einen Fehlalarm ausgelöst, um in Ruhe eine Analyse der Gästewertsachen vorzunehmen, während diese draußen in der Kälte stehen.

Wir entschieden uns für 1. und 3. Dies hieß, schnelles Anziehen bei Einsammeln der Wertsachen und raus vor’s Hotel. Außer uns haben noch einige andere Gäste diese Variante bevorzugt, wobei es – wie im Schach – viele unterschiedliche Ausprägungen gibt. So standen schon welche unten, während andere mit frisch gepackten Koffern ca. 20 Minuten später kamen. Hier stellt sich natürlich schon die Frage nach dem Sinn.

Apropos 20 Minuten später. In unserem Hotel war weder die Nachtschicht besetzt, noch war die Brandmeldeanlage mit irgendwelchen Rettungszentren gekoppelt. Dies stellt man fest, indem man verzweifelt auf das Eintreffen des Hotelbesitzers oder der Feuerwehr wartet. Auch hier kam wieder Basti ins Spiel, der versuchte, irgendwelche Instruktionen (z.B. Notfallnummer anrufen) zu finden und dann kurzerhand einen italienisch-deutschsprechenden Schachkollegen sein Handy in die Hand drückte und ihn die Polizei anrufen ließ. Diese verständigte dann den Hotelbesitzer, der tatsächlich auch kam, die Anlage abschaltete und jetzt doch noch einige Diskussionen über sich ergehen lassen mußte. Unsere Arco-erfahrenen Schachkollegen blieben sicherheitshalber in ihren Zimmern im dritten Stock, nachdem sie ebenfalls keinen Brandgeruch feststellten. Ob dies eine altersbedingte Erkenntnis ist (‘irgendwann müssen wir alle sterben’) oder nur gewohnte Übung, wird noch besprochen. Da wir dann um kurz vor 5 Uhr leicht durchfroren wieder auf den Zimmern waren, nutzte ich die gewonnene Wachzeit noch für die Eingabe und Analyse meiner Partie, während Basti schnell wieder in den wohlverdienten Schlaf sank.

Olivias Olivenöl Offerte

Zugegeben, die Dame heißt gar nicht Olivia sondern Katharina und ist eine wirklich charmante und fachkundige Verkäuferin. Aber frei nach einer der führenden deutschsprachigen Zeitungen dürfen Überschriften aus Zwecken der Verständlichkeit schon mal gerade gebogen werden. Doch zum Thema: Wir gönnten uns auf Peters Empfehlung eine Beratung zum Thema Olivenöl in einem sehr kleinen aber auch sehr feinen Arco’er Geschäft: dem Succo. Wir waren in dem Fall Peter und ich, da Fritz Maurer, unser Berner Schachfeund und Tischnachbar, keine Lust hatte und Basti sich kurzfristig für die Gegnervorbereitung entschied. Mit den einleitenden Worten ‘wir kennen uns von einer Beratung vor 10 Jahren’ erntete Peter zwar nur ein skeptisches Lächeln, wir waren aber gleich in einem intensiven Gespräch. Um es kurz zu machen: Peter hatte absolut recht, die Dame ist einfach reizend und hat uns völlig überzeugt. Nach einer kurzen Verkostung gab es eine Bildschirmvorführung über die Produktion und einige wichtige Tipps, die hier im Nachgang dem interessierten Unkundigen zur Kenntnis gegeben werden. Nebenbei verkaufte sie uns noch selbstgepresste Säfte (sehr lecker), Olivenholz-Salatbesteck, einen entsprechenden Kochlöffel und natürlich von dem für die Qualität schon fast niedrigpreisigen Ölivenöl. Letztgenanntes relativiert sich allerdings, betrachtet man den absoluten Betrag. Zu den Tipps:
– auf ‘mechanisch gepresst’ achten, sonst ist es chemisch Gelöstes
– in dunklen Flaschen oder besser noch in Dosen, da Licht das Öl negativ verändert
– nie Trübes kaufen, wird als höherwertig beworben, ist aber das Gleiche wie Klares, nur wurden die Filterkosten gespart, was dazu führt, dass das Öl nach spätestens 2 Monaten deutlich an Geschmack verliert
– wenn möglich feststellen, ob die Oliven vom Boden gesaugt werden oder mit Netzen gefangen, Ersteres führt dazu, dass sehr viel Dreck und Steine mitkommen und Reste finden sich immer im Öl
– ob die Oliven mehrfach gewaschen wurden (siehe Kommentar oben)

Zum Schluss noch allgemein: je später die Lese, je dunkler die Oliven und je milder das Öl. Lasst es euch schmecken.

Die Suche nach dem Heiligen Gral

Gibt es ihn oder gibt es ihn nicht? Den Kelch in dem das Blut Christi bei der Kreuzigung aufgefangen wurde und nach dem schon seit Jahrhunderten gesucht wird. Falls es ihn gibt, wie sieht er aus? Ist es der Kelch eines einfachen Zimmermannes, ist es ein reichverzierter Goldkelch oder was ganz anderes? Wir können diese Frage hier natürlich nicht lösen, wir hatten aber auch ein ganz anderes Problem. Unser heiliger Gral war eine Seifenschale, die verschließbar sein mußte, um auf Reisen ein Stück Seife, welches auch mal benutzt wird, sicher für die restlichen Gepäckstücke (Nässe) transportieren zu können. Anfangs dachte ich nicht daran, dass uns dieser Wunsch eines nicht näher genannten Schachfreundes tagelang beschäftigen könnte. Doch er tat es. Da die Nachfrage immer das Angebot bestimmt, scheint es in der heutigen Zeit sehr unüblich zu sein, dass man Seife auf Reisen in Boxen transportiert. Na ja, nach gefühlten 4 Tagen, 10 Geschäften und einem typisch oberitalienischen Marktbesuch wurden wir in einem chinesisch geführten Tante Emma Laden, der damit warb, 50.000 Produkte ausgestellt zu haben fündig. Nur unserer Hartnäckigkeit war es dabei zu verdanken, dass dies gelang, den der Ladenbesitzer behauptete sowas nicht zu kennen. Letztendlich gab es das Markenprodukt in schlichtem Design der Farbe Transparent für 90 Cent.

Es gibt auch noch das Schachturnier

Das Schachturnier ist klasse. Ich habe noch nie ein Turnier gespielt, welches in einem sehr schönen, liebevoll dekorierten Raum, bei sehr angenehmen Platzverhältnissen für alle Spieler, mit ausreichend Licht an allen Brettern, genügend Toiletten, einer Bar vor der Tür und großzügigen Analysemöglichkeiten gesegnet war. Hier ist alles der Fall. Dem entsprechend Spaß macht es auch zu spielen. Momentan sind wir alle auf Kurs und bestätigen mehr oder weniger unsere Wertungszahl. Peter hat eine sehr gute Ausgangsposition, um ganz vorne mitzuspielen, allerdings auch noch ein paar echte Brocken vor sich. Dabei hat er der lebenden Legende GM Oleg Romanishin schon einen halben Punkt und sehr viel Wissen in Form einer ausführlichen Analyse abgenommen.

Der Zwischenstand nach 5 Runden:
Peter 4 Punkte und damit in der direkten Verfolgung eines Führungstrios mit 4,5 Punkten
Basti 3 Punkte
Fritz und Andi je 2,5 Punkte

Mehr Infos gibt es unter Chessresults

Der Tagesablauf

Um einen Einblick in den aus meiner Sicht recht stressigen Tag eines Schachtouristen zu gewähren noch eine Auflistung unseres typischen Tagesablaufs. In Arco beginnen die Runden bereits um 15 Uhr und damit eine Stunde früher als in unserem Standardturnier in Bad Wiessee. Was ich anfangs als unerheblich abtat, erweist sich in der Praxis als kriegsentscheidend. In der Regel sind wir um 9 Uhr beim Frühstück, starten um 10 Uhr zum Beispiel zu einer Besichtigung, einem Ausflug oder einem ausgedehnten Spaziergang, gönnen uns um 13 Uhr eine Kleinigkeit zu essen und haben dann sage und schreibe noch ca. 90 Minuten im Hotel für die Gegnervorbereitung und einen Powernapp bevor um 15 Uhr die Runde startet. Da irgendeiner immer länger spielt, sind wir in der Regel  gegen 21:30 Uhr mit dem Abendessen fertig, suchen uns eine Bar oder Kneipe (das heißt in Italien auf gar keinen Fall Kneipe) und analysieren die Partien. Gegen 0 Uhr geht’s auf den Heimweg, um noch schnell mit den Liebsten kommunizieren, die Partie einzugegeben, damit die Analyseergebnisse überprüft und festgehalten werden können, und noch schnell zu schauen,wie der Gegner morgen wohl eröffnet, um dann mit Entsetzen festzustellen: es ist schon wieder nach 1 Uhr und höchste Zeit fürs Bett.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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